Kalk – eine Zeitreise durch Jahrtausende

Es ist nicht bekannt, wann Kalk zum ersten Mal durch den Menschen entdeckt wurde. Möglicherweise haben unsere Vorfahren Kalkstein verwendet, um ihre Feuerstätten zu schützen. Das Feuer hat die Steine erwärmt, wodurch der erste gebrannte Kalk entstanden ist. Bei Regen wurde der Kalk zu Calciumhydroxid – diese chemische Veränderung ist optisch sehr gut zu erkennen. Wenn anschließend der gelöschter Kalk mit der Asche und dem Sand an der Feuerstätte reagierte, entstand ein erster Mörtel mit einer bereits für die Steinzeitmenschen feststellbaren Festigkeit. Kalkfunde in der Osttürkei zeigen, dass Kalk bereits vor 14.000 Jahren verwendet wurde. In der Höhle von Lascaux in Frankreich wurden sogar noch früher datierte Fresken aus natürlichen Eisenoxidpigmenten an den Höhlenwänden mit hohem Calciumcarbonatgehalt (Kalkstein) gefunden. Man schätzt, dass die Fresken mehr als 16.000 Jahre alt sind. 


Wichtige Daten zum Kalkgebrauch

ca. 7500 v. Chr.

Die antiken Völker, die im Gebiet des heutigen Jordan lebten, stellten Putze aus Kalk und fein zerkleinertem Kalkstein her, um Wände, Böden und Kochstellen in ihren Häusern haltbar und dekorativ zu verputzen.

ca. 3000 v. Chr.

Die Ägypter färbten ihre Haut mit Kalk und erbauten eines der Weltwunder aus Kalkstein: die 137 m hohe Cheopspyramide.

ca. 2800  v. Chr. – ca. 1000 n. Chr.

Die Kelten düngten ihre Felder mit Kalk. Kalkfarben wurden in griechischen Fresken verwendet.

ca. 500 v. Chr.

Die Chinesen erbauten die 2.500 km lange chinesische Mauer, stabilisierten den Boden mit Kalk und verwendeten Kalkmörtel, um die Steine dauerhaft zu verbinden.

ca. 753 v. Chr. – 535 n. Chr.

Römische Fresken und Gebäude weisen verschiedene Kalksteinfarben auf. Frauen färbten ihre Haare hellrot mit nicht gelöschtem Kalk.

ca. 400 n. Chr. – ca. 1100 n. Chr.

Alchemisten entdeckten die alkalischen Eigenschaften von Kalk und entwickelten eine Seife auf Holzaschenbasis. Das Logo von Lhoist erinnert an das alchemistische Symbol für Kalk.

ca. 1300 n. Chr. – ca. 1800 n. Chr.

Kalk wird überall in Europa als Verputz und Farbe verwendet. Kalkstein diente auch als Hauptbaumaterial für Häuser.

 

14. und 15. Jahrhundert

Im Südosten von England verwendeten Handwerker dekorativen Kalkverputz an den Außenseiten von Fachwerkhäusern. Während der Renaissance wurde Kalk für Innenputze und für die bildende Kunst, z. B. die Malerei, entdeckt.

16. Jahrhundert

Die Verwendung von Kalk nahm mit bedeutenden industriellen Erfindungen, insbesondere im Bauwesen, zu, da die neuen Verfahren zur Herstellung von z. B. Wandbaustoffen auch neue Produkte bei den Putzen, Mörteln und Farben erforderten.

17. Jahrhundert

Stuckmarmor kam in Mode als Ersatz für teure Marmorintarsien und -bauelemente. Er enthielt eine Pigmentmischung aus Kalkstaub, Marmor oder Eisenzunder. Der Stuckmarmor wurde auch verwendet, um Gebäudefassaden, Stucksäulen, Skulpturen und andere architektonische Elemente, die Marmor ähneln, zu erbauen.

18. und 19. Jahrhundert

Black und Lavoisier beschreiben die chemische Reaktion von Kalk. Debray und Lechatelier entdecken neue Eigenschaften und Anwendungen. Kalkstein wurde zum Beispiel zum ersten Mal als Zusatzstoff in Zahnpasta verwendet.

20. und 21. Jahrhundert

Die starke Zunahme von Innovationen, vor allem die Geschwindigkeit der Entwicklungen und Umsetzung von Technologien in die Praxis, haben den Einsatz von Kalk erweitert. Heute begegnen wir Kalk oder den Endprodukten eines Prozesses mit Kalkbeteiligung in der einen oder anderen Form fast überall in unserem täglichen Leben.

Wie wurde Kalk aufbereitet?

Heutzutage nutzt die Kalkindustrie die modernsten Technologien auf dem neuesten Stand der Technik, um den Energieverbrauch soweit wie möglich zu reduzieren, die strengen Vorschriften zu Emissionen einzuhalten und die Qualitätsanforderungen verschiedener Märkte zu erfüllen.  

Das Video zeigt, wie früher Kalk hergestellt wurde. Alle Schritte wurden manuell durchgeführt: Zerkleinerung der Ofensteine, Beschickung des Ofens, Zugabe des Brennstoffes und der Kalkaustrag. Die Produktion war nicht ein kontinuierlicher Prozess wie heute, sondern wurde im Chargen-/Batch-Betrieb durchgeführt. Somit wird deutlich, dass es extrem schwierig war, Kalk unter sicheren Bedingungen und mit einer stabilen Mindestqualität zu produzieren und dabei nicht die Umwelt zu belasten. Die Kalkindustrie hat im letzten Jahrhundert in allen Bereichen enorme Fortschritte gemacht.

Zwischen 1870 und 1890 wurden effizientere Öfen auf der Basis patentierter Technologien gebaut, die im Dauerbetrieb mit kontinuierlicher Brennstoffzugabe gefahren werden konnten. Mit ihnen wurde hauptsächlich Stückkalk in ungefähr der Größe des aufgegebenen Kalksteins erzeugt. 

Die Kalkherstellung wurde durch neue Technologien zur Brennstoffreduzierung sowie dem stets steigenden Nutzungsgrad des gewonnenen Kalksteins weiter verbessert. Dieser Prozess dauert noch immer an. Lhoist ist sehr aktiv an der Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien und Verfahren beteiligt, insbesondere an solchen, die auf eine Reduzierung der Umweltbelastung unserer Industrie abzielen.

 

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